Eine kleine Weihnachtsgeschichte … Die Mär vom hässlichen kleinen Bäumlein!

So wie jedes Jahr um diese Zeit war es wieder einmal soweit: Die heimische Villa Joba sollte ihren Weihnachtsbaum bekommen. In vielen Haushalten stellt sich schon Ende Oktober die Frage: „Welcher Baum soll es sein? Blaufichte, Nordmann-Tanne oder die selbstaufstellende, in Regenbogen-Farben beleuchtete High-Tech-Kunst-Variante aus dem Jesus-Christ-Superstar-Merchandising-Megastore?

Nicht so bei uns! Wir haben es uns zur Tradition gemacht, den Randgruppen und Ausgestoßenen unter den Weihnachtsbäumen eine Chance und ein wohliges (allerdings befristetes) Zuhause zu geben. Also ging es am Samstagmorgen zum nächsten Christbaum-Verkäufer unseres Vertrauens. Dort standen sie! Die Blaufichten, Nordmanntannen und Edel-Nadelhölzer, die uns der Fachmann in den höchsten Tönen versuchte schmackhaft zu machen! Nachdem wir ihm vorab klarmachten, dass wir keinen Platz für eine 4 Meter-Fichte hätten, die zudem noch den Preis des gesamten „Heilig-Abend-Menüs“ gekostet hätte, erreichten wir die Abteilung „Klein – aber fein“! Auch hier wurden wir – natürlich – nicht fündig! Wir suchten etwas ganz anderes … aber was ganz anderes! Der Verkäufer sah uns mit einem ungläubigen, etwas verklärten Blick an, als wir ihm sagten, dass wir einen kleinen, ruhig krummen und schäbigen Baum suchten …! „So was haben wir hier nicht“! Hier gibt´s nur “1a-Ware“ betont er eindrucksvoll und bestimmend. Plötzlich sah Babs ihn! Beiseite gestellt, halb unter Zuschnitt versteckt, dreckig und krumm! Das ist er! Das ist unser Weihnachtsbaum! „Dat is´ kein Baum – dat is Gestrüpp!“ Klar, wer 1a-Ware verdealt, für den ist es halt nur Gestrüpp! Für uns aber war es der Inbegriff eines wunderschönen Christbaumes! Wer jetzt aber glaubt, das „Gestrüpp“ wäre gratis, der irrt! Der Weihnachtsbaum-Fachverkäufer witterte nun seine Chance! „Ja, das ist zwar Gestrüpp – aber was ganz Edles! Der ist importiert aus der ehemaligen Sowjetunion, mit Umwegen über Usbekistan, per Maultiereskorte nach Novosibirsk und dann auf dem Luftweg und per LKW hierher! Das kostet! Jegliche Diskussionen waren hier fehl am Platz und so wechselten 15 hart verdiente Euros ihren Besitzer und als Gegenleistung bekamen wir ein gut verschnürtes Päckle ausgehändigt, in dem sich unser Weihnachtsbaum befand! Dazu gab es noch einen Arm voll Tannengrün, um die Pflanzen im Garten vor der Kälte zu schützen – das war allerdings umsonst!

Da steht er! Unser Randgruppen-Weihnachtsbaum in voller Pracht!

Daheim angekommen wurde unser „Schatz“ vom Netz befreit und erst einmal provisorisch im Christbaumständer platziert! Ok, ne Schönheit war er wirklich nicht! Hier und da gab es Löcher, die Spitze war krumm und im unteren Bereich fing der Kleine schon an braun zu werden! Aber wozu hat man den Modellbau-Profi und Handwerker-König im Hause! Schnell die Bohrmaschine gezückt, ein paar Löcher in den Stamm gehobelt, das GRATIS-Tannengrün als Ast-Ersatz umfunktioniert und die Löcher gestopft! Die krumme Spitze wurde mit einen Stahlstift gestützt und wenn die Baumspitze aus edlem, messingfarbenem, hochglanzlackiertem Kunststoff aufgesteckt ist – sieht das kein Mensch mehr! Braune Stellen lassen sich ganz leicht kaschieren – wozu gibt es Lackspray aus dem Baumarkt – sogar im Farbton „Tannengrün“!

Als alles gerichtet war und das „Gestrüpp“ nach ´nem echten schönen Edel-Nadel-Baum aussah, ging es nun ans Schmücken! Wir haben nicht wirklich die RIESEN-AUSWAHL an Christbaum-Schmuck: Nur Gold, Kupfer oder Bronze! Dieses Jahr sollte es mal wieder Bronze sein. Schnell war der Umzugskarton mit der Aufschrift „WEIHNACHTSDEKO“ aus dem Keller geholt und der Inhalt im Wohnzimmer verteilt! Der Logik folgend beginnen wir immer mit der Lichterkette – die von Jahr zu Jahr immer weniger an Leuchtkraft besitzt und der Plan, endlich mal ein paar Ersatzbirnchen zu organisieren auch dieses Mal „auf´s nächste Jahr“ verschoben wird. Wer sich einmal mit Lichterketten beschäftigt hat, der kennt die Probleme! Lichterketten haben die unangenehme Eigenschaft, sich zu verheddern und zu verknoten …! Aber auch das schlimmste Wirrwarr ist irgendwann entwirrt! Die 3 1/2 Meter-Kette wird also kunstvoll und mit viel Schwung um den Baum herum und in allen Ebenen verteilt – und abschließend auf ihre Funktionalität und das Erscheinungsbild geprüft … dann noch einmal schwungvoll und künstlerisch neu drapiert … und dann letzt endlich einfach lässig um´s Gestrüpp gewickelt.

Mit ordentlich Schmuck wird auch der kleinsten Baum zur prachtvollen Weihnachtsbaum!

In trauter Zweisamkeit schmückten wir nun den Baum mit bronzenen Kugeln und Sternen … mit zwischenzeitlichen Unkenrufen wie: „Deine Seite ist viel zu voll! Nicht alle Kugeln auf einen Zweig! Dahinten sieht´s noch kahl aus … und, und, und! Aber auch das ist Tradition und gehört irgendwie einfach mit dazu! Etwas heikel wurde es erst, als ich final mit einer Handvoll silbernem Lametta würdevoll auf den Baum zuschritt … „Trau Dich bloß nicht, das Zeugs auf den Baum zu werfen! Da kommt kein Lametta drauf“! Doch! Nein! Doch! … was meint ihr, wer gewonnen hat! 3 – in Worten DREI – einzelne Streifen Lametta prangen nun am Baum!

Um die ganze Pracht bewundern zu können, wurde der Raum verdunkelt und die Lichterkette angeknipst … und als ich Babs und unserer kleinen Katze in die Augen sah und diesen strahlenden Glanz dort realisierte, war mir klar: Alles richtig gemacht! Weihnachten kann nun kommen!

Wobei ich ein wenig daran zweifle, dass die Katzenaugen vor Rührung geglänzt haben … eher vor diebischer Vorfreude, darauf wartend, in einem unbeobachtetem Augenblick mit den Kugeln und Sternen Dummheiten anzustellen … aber auch das gehört einfach zum FRÖHLICHEN WEIHNACHTSFEST!

Allen ein friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start für 2020!

Joachim Goetz

Veröffentlicht in Werkbank.

9 Kommentare

  1. Hallo Herr Goetz
    Eine schöne Geschichte, die mir aber in vielen Teilen, irgendwie bekannt vorkommt, vielleicht sogar von zu Haus.
    Auch für Sie und Ihre Familie, für Ihre Lieben, auch die aus dem Team, ein frohes Fest und besinnliche Tage.
    Danach weiter so!
    Viele Grüße
    Hans-Gerhard Röse
    PS: Bevor das Jahr endet eine Frage an den Modellbau-Pabst.
    Egal welches Mattspray ich auch aus der Dose verwende, es bleibt immer ein Glanz auf den Modellen.
    Der, so finde ich, macht die schönste Arbeit zunichte.
    Ich möchte meine Modelle wirklich matt haben. Bitte geben Sie mir einen Rat wie oder mit welchem Produkt es geht.
    Danke im Voraus und noch einmal beste Wünsche.

    • Hallo Herr Röse, vielen Dank für die lieben Weihnachtsgrüße – die ich gerne zurückgebe!
      Mit dem “Matt-Problem” haben Sie ein Mysterium angemerkt, dass wohl jeder Modellbauer kennt! Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und habe leider auch keine wirkliche Patentlösung! Selbst bei renomierten, teilweise sehr teuren Mattlack-Sprays kommt ein leichter Glanz vor! Gute Erfahrungen habe ich mit Gunze-Mattlack gemacht, aber auch mit einem Matt-Firnis aus dem Künstlerbedarf von Artisan. Ich sprühe meist den Mattlack mit der Airbrush auf – und verwende den Lack von Tamiya oder auf Acrylbasis von Vallejo! Aber auch hier gibt es manchmal glänzende Stellen! Ich höre mich aber mal bei ein paar anderen Modellbauern um!
      Viele Grüße
      Joachim Goetz

  2. Hallo Herr Goetz
    Vielen Dank für Ihre nette Antwort.
    Bisher habe ich Tamiya-Lack und den Kreul “Hobby-Line” aus der Spraydose ausprobiert, leider mit negativem Ergebnis.
    Es ist ein großes Ärgernis für mich, weil soviel Herzblut in den Bausätzen steckt.
    Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang mit den diversen vorherige Glanzlack-Schichten, die für die Alterung notwendig sind?
    Im Internet wird der AK Ultra-Matt-Lack sehr geschätzt..
    Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Bemühungen und wünsche noch einmal schöne Feiertage.
    Viele Grüße
    Hans-Gerhard Röse

    • Hallo Herr Röse,
      – meine Vereinskollegen schwören auf Mr Hobby Top Coat matt! Ich kenne das Spray nicht – soll aber sehr gut sein!
      Gruß J. Goetz

      • Hallo Herr Goetz
        Danke für Ihre Mühe mir weiter zu helfen.
        Ich werde es damit probieren und hoffe auf den Erfolg.
        Bis bald einmal und weiterhin viel Erfolg, wie bisher schon.
        Viele Grüße
        Hans-Gerhard Röse

  3. Eine nette Geschichte, die bestimmt jeder von uns in dieser oder ähnlicher Form aus eigenem Erleben kennt. Und nach so viel Mühe kann eigentlich nur ein wunderschönes Weihnachtsfest folgen.
    Ich jedenfalls wünsche Ihnen und Ihrer Familie besinnliche Tage und ganz tolle Zeiten im neuen Jahr.
    MfG
    Bernd Peter

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