Enzyklopädie der gepanzerten Fahrzeuge
Band 1
Mig Jiminez

Wer sich über viele Jahre mit Modellbau beschäftigt, insbesondere mit Militärmodellbau, wird sich sicherlich in dieser Zeit einen beachtlichen Teil an Literatur, bzw. Referenzen zugelegt haben. Bei mir begann es in den 70iger Jahren. Nach einer Pause ging es dann ab 2001 bis heute ununterbrochen weiter. Man wurde und wird „zugedröhnt” mit Modellbaumagazinen noch und nöcher. Bis auf einige Wenige wurden die meisten dann auch wieder eingestellt. In jeder neuen Ausgabe, die auf den Markt gebracht wurde, sahen die meisten Modellbauer das absolute Heilmittel für die Vervollkommnung Ihrer Modelle. Mittlerweile hat seit den 1970er Jahren in Deutschland nur noch eine gängige Zeitschrift überlebt.

Als nun allmählich bis in die vorderen Modellbaugräben durchsickerte, dass Mig Jimenez eine 5-Bände umfassende Enzyklopädie startet, begannen bereits die Unkenrufe noch bevor das Ei gelegt war : „Brauchen wir nicht, immer dasselbe” etc. Dem habe ich Folgendes entgegenzusetzen: Bisher habe ich mich immer an zwei Referenzen festgehalten: Einmal Chris Mrosko`s „Bemalen und Verwitterung ” von 2001 und Tony Greenlands „Enzyklopädie” mit den damals angewendeten Techniken. Wobei Mrosko`s Stil, so einfach er ist, so wirkungsvoll kann er noch heute sein.
Aber genug der Vergangenheit und endlich zum Wesentlichen. Wer glaubt, dass es gerade bei den Techniken im Militärmodellbau bzw. Panzermodellbau nun keine Steigerung mehr geben würde, der täuscht sich gewaltig. Seit Kurzem halte ich nun die „Enzyklopädie der gepanzerten Fahrzeuge” von Mig Jiminez in den Händen und kann nur von mir geben: ABSOLUT PHANTASTISCH!! Ein Meisterwerk an durchdachten Schritten. Alleine schon das Äußere dieser Bände lässt auf Außergewöhnliches in den Bereichen Zusammenbau, Inneneinrichtungen & Grundfarben, Tarnung, Weathering und Feinschliff schließen.

Erster Band
Hält man nun den ersten Band von Mig Jimenez` „Enzyklopädie” in den Händen, ist bereits der Schutzumschlag mit einem fabelhaften zusammengebauten T-62 im „Rohzustand ” eine Erwähnung wert. Nach einem Impressum auf der ersten Seite und einer Widmung an Mig`s Freunde und Helfer folgt ein höchst interessantes Vorwort, in dem er seinen modellbauerischen Werdegang beschreibt. Neben allen Freuden dieses fantastischen Hobbys lässt er es sich nicht nehmen, auch die Schattenseiten zu erwähnen, sprich: Neid, Missgunst und Arroganz selbsternannter Experten auf Ausstellungen bzw. Wettbewerben. Ebenso beschreibt er das Zusammentreffen mit körperlich eingeschränkten und sogar blinden Modellbauern, was für Mig sehr bewegend war, hatte er doch vor nicht all zu langer Zeit einen familiären Schlag zu verkraften. So gesehen bekamen der Modellbau und insbesondere die Bemalung der Modelle als heilende Therapie für ihn einen neuen Stellenwert. Im Übrigen gehen den nachfolgenden Bänden ebenfalls Vorworte voraus. Nebenbei bemerkt ist auf den Seiten 4 und 5 ein hervorragend gebauter und mit Ätzteilen versehener Panzerkampfwagen V „Panther” zu bewundern. Bereits hier kann man schon erahnen, was Einen in diesem Band noch erwartet. In der folgenden Einleitung erklärt er, was ihn bewog, diese „Enzyklopädie“ zu verfassen.

Der erste Band „ZUSAMMENBAU” gliedert sich in drei Abschnitte:

Abschnitt 1: Verwendung von Werkzeugen, Materialien, Informationsquellen und die Vorbereitung der einzelnen Teile. 



Abschnitt 2: Zusammenbau Innenräume von PKW, LKW, Panzer und Motorendetaillierung. 



Abschnitt 3: Zusammenbau der Fahrzeuge außen, Texturen und Kampfschäden. 



Der erste Abschnitt ist höchst übersichtlich dargestellt und zeigt anschaulich die für den Zusammenbau erforderlichen bzw. nötigen Werkzeuge wie Zangen, Pinzetten, Mini-Bohrmaschine und Lötkolben.

Ebenso erfahren die Kleber einen besonderen Stellenwert, explizit der Vorteil von langsam trocknendem Sekundenkleber – Spachtelmassen und Klebeband etc. mit einbezogen. Auf Informationsquellen wird ebenfalls besonders hingewiesen, damit Einsatzgebiete mit den dortigen Wetterverhältnissen später beim Verwittern und Altern den Modellen als Vorlage dienen. Am Ende des ersten Abschnittes wird der exakten Abtrennung der Teile vom Spritzling sowie das Säubern derselben mit verschiedenen Feilen etc. besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Verwendung von Spachtelmasse eingeschlossen. Nichts wird übersehen. Alles geht der Reihe nach und jeder Schritt ist nummeriert.

Der zweite Abschnitt widmet sich den Innenräumen von Pkw, Lkw und Panzern. Es folgt die Detaillierung der Motoren.

Zunächst wird auf den Grundaufbau von Pkw -und Lkw -Innenräumen und deren Bearbeitung mit Spachtelmasse und Feilen eingegangen. Es folgt die Detaillierung der Innenräume mit Plastik-Sheets, Stäben, Rohren etc. Ätz- und Messingteile finden besondere Verwendung. Wohl dem, der von Natur aus mit Geduld ausgestattet ist, denn der Eigenbau von Türgriffen sowie die Verkabelung der Armaturen erfordert diese. Weiter geht es mit der Nachbildung der Struktur der Innenpanzerung mit verschiedenen Spachtelmassen sowie die Verfeinerung der Panzerturm -Seitenwände (Tiger I) mit Plastikprofilen und Eigenbau des Kommandantensitzes. Allein schon der Bau des Turmsehschlitzes mit kleinsten Messingteilen ruft Schwindel hervor. Dies ist schon etwas für hartgesottene Tüftler. Aber bitte, hier wird gezeigt, dass es im Panzermodellbau immer noch Quantensprünge gibt.

Über weitere Eigenbauten wie Fahrersitz und dergleichen möge sich der Leser selbst ein Bild machen. Unbedingt erwähnenswert sei der Bau, bzw. die Modifikation des Panzermotors. In diesem Falle sticht der 700-Ps Dröhner des Tiger I mit seiner unglaublichen Detaillierung durch Blei- und Kupferdrähte bzw. Messingröhrchen hervor. Der komplette Motor kann auch als separates Modell gezeigt werden, sollte die Motorklappe des Panzers später verklebt werden. Es ist schier unglaublich, was Mig uns Modellbauern hier an Möglichkeiten im Modellbau vorsetzt.

Der dritte und letzte Abschnitt des ersten Bandes widmet sich mit dem Bau außen am Modell und wartet meines Erachtens mit einem „Kracher” auf.

Den Anfang macht das Verkleben der einzelnen Teile mit verschiedenen Klebern. Wie Anfangs erwähnt, wird hier auf die Vorteile des langsam trocknenden Sekundenklebers hingewiesen. Verspachteln und Verschleifen von Verbindungslinien folgt. Die zweite Stufe des letzten Abschnittes ist den Fortgeschrittenen im Modellbau gewidmet: Der Eigenbau von Haltegriffen und die Verwendung von Ätzteilen insbesondere für die Lüftergitter der Motorenabdeckung, anschaulich gezeigt am Tiger I.

Schweißnähte sowie Schrauben und Nieten werden ebenso ausführlich behandelt wie die Erstellung der Walzstahl-Textur. Und nun zum „Kracher”: Es handelt sich hierbei um die Simulierung von Kampfschäden. Die Darstellung der Wirkung verschiedener Kaliber ist verblüffend. Unter Verwendung verschiedener Bohrer und Spachtelmassen ist der Realismus der Einschlaglöcher nicht mehr zu überbieten. Besonders sei auf den „Rohrkrepierer” beim Jagdpanther auf Seite 119 hingewiesen. Nicht zu vergessen wird vor dem „Kampfschäden-Abschnitt” die berühmte „Zimmerit”-Herstellung mit den verschiedensten Materialien behandelt.

Am Schluss dieses letzten Abschnittes des ersten Bandes geht es um die Außendetaillierung durch Fotoätzteile, Aluminiumgeschützrohre und Teile-Selbstbau mit Resin etc.

Mein Fazit für den ersten Band: 

Diese Besprechung dient als ein allgemeiner Überblick, was den Modellbauer an Positivem erwarte. Die Fülle an Tipps hier wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen. Hier muss nun der „Bastler” in Aktion treten und mit dem Studium der Enzyklopädie beginnen. Allein dieser erste Band und seine in ihm beschriebenen Techniken MÜSSEN den Modellbauer voran bringen, schon der übersichtlichen Darstellung wegen. Nichts ist aus dem vorgehenden Werk „FAQ” übernommen. Alles ist vollkommen neu durchdacht. Ich bin überzeugt, dass man nach Anwendung und Ausprobieren dieser Techniken sein gesamtes bisheriges Modellbau-Schaffen neu überdenken wird.

Ich freue mich auf die Besprechung des zweiten Bandes „Inneneinrichtungen und Grundfarben”. Allen Modellbaukollegen wünsche ich viel Inspiration und Freude mit ihren späteren „neuen” Panzer – bzw. gepanzerten Fahrzeuge-Modellen.

Frithjof Greiner

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