Vom Original zum Modell • Erstellung einer Hausruine nach Originalvorlage

Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich allmorgentlich an einer maroden, aber einstmals prachtvollen Stadtvilla vorbei! Schon seit langem hege ich den Wunsch, dieses Haus als Ruine in einem 1:35er Diorama umzusetzten. Wie aber geht man an ein solches Projekt heran? Seit geraumer Zeit habe ich das Lasercut-Verfahren für die Erstellung von Gebäuden aus MDF für mich entdeckt. Der erste Schritt war, ordentlich viele Detailfotos des Originals zu erstellen. Das Gebäude hat den letzten Krieg schadenfrei überstanden – so gab es für die Darstellung der Ruine keine Vorgaben.

Um die Dimensionen der Ruine nicht zu groß werden zu lassen, habe ich mich auf den linken Teil und den interessanten Hauseingang beschränkt! Um dem Lasercutter eine Schneidvorlage zu bieten, wurde die gesamte Ruine in einem Vektor-Zeichen-Programm am MAC erstellt. Es braucht etwas Erfahrung, um eine eindimensionale Zeichnung in ein dreidimensionales Objekt umzusetzen. Die verschiedenen Höhen und Ornamente werden durch unterschiedliche Materialstärken erzeugt.

Das fertige Original – bemalt, gealtert und ramponiert!

Nachdem alle Bauteile mit dem Lasercutter geschnitten waren, ging es an den Zusammenbau der Ruine. Als Klebstoff für MDF hat sich Weissleim bewährt. In gut drei Stunden war das Werk vollbracht.

Gerade die feinen Details machen das Schaustück interessant! Der Laser hat hier wirklich hervorragende Gravurarbeit geleistet. Kaum zu glauben, dass das kleine Wappen gelasert wurde. Es hat gerade einmal eine Breite von 2 cm! Auch das Gitter im Türbogen ist aus 1 mm MDF geschnitten!

Die Dachschindeln sind alle einzeln geschnitten und verklebt! Das MDF kann leicht mit einer Feile und einem Skalpell bearbeitet werden!

Ein Laser kann schneiden oder gravieren. Das Schild ist eine Gravur!

Jetzt nur noch grundieren und dann kann der Bemalspaß losgehen!

Die “groben” Farbaufträge wurden mit dem Airbrush aufgebracht. Ebenso die ersten Schatten und Verschmutzungen.

MDF ist relativ wiederständig gegen Feuchtigkeit. Man kann also auch mit Lasuren und Trockenmal-Verfahren arbeiten. Einige Durchgänge simulieren eine beanspruchte Fassadengestaltung.

Natürlich darf Staub und Rost nicht fehlen!

Nachdem die Ruine einen verwahrlosten und ramponierten Eindruck darbot, konnte mit dem Verteilen von Trümmern, Ziegelsteinen und Holzresten gestartet werden.

Einige Steinchen geben dem Bürgersteig ein paar Hingucker!

Verwüstung auch im Dachbereich. Die Schiefertafeln sind einzeln aufgesetzt.

Auch das gebrochene Glas in den Fenster ist per Laser aus Folie geschnitten!

Hier sind die schönen Details des Eingangsbereiches zu sehen!

Natürlich darf der Innenbereich nicht fehlen! Die Tapeten sind per Drucker entstanden und mit Leim auftapeziert worden – wie im Original auch! 

Fertig! Jetzt fehlen noch eine Bodenplatte, Fahrzeuge und Figuren! 

Die Lasercut-Technik ermöglicht viele neue Facetten in der Gestaltung von Diroamen-Gebäuden! Es scheint hier kaum Grenzen zu geben! Neue Projekte stehen schon in der Warteschleife!

Joachim Goetz

                  

Veröffentlicht in Werkbank.

6 Kommentare

  1. Hallo Herr Goetz
    Wieder einmal lösen Sie bei mir Begeisterungsstürme aus.
    Toll umgesetzt und ein wirklicher Hingucker.
    Jetzt bin ich wieder in der Zwickmühle.
    Laß ich mich dadurch motivieren oder werde ich frustriert, aber ich tendiere eher zu einem Motivationsschub.
    Wenn ich an meine Anfänge denke (lang ist´s her), habe ich Faller-Häuschen kopiert, umgerechnet auf 1:35, auf eine Sperrholzplatte aufgemalt und dann mühsam mit der Laubsäge ausgeschnitten.
    Das waren noch Zeiten.
    Hat trotzdem Spaß gemacht.
    Noch einmal, toll umgesetzt und ein Anreiz für jeden.
    Viele Grüße
    H.-G. Röse

    • Hallo Herr Röse – ich hoffe doch, dass ich Sie motivieren konnte! Wenn ich zurückdenke, wie ich meine ersten “Häuschen” aus Pappe oder Gipsplatten geschnitzt habe …! Aber egal wie und was man macht – der Weg ist immer das Ziel! Ich hätte vor einem Jahr auch nie daran gedacht, dass mir einmal so viele Verfahrenstechniken zur Verfügung stehen würden! Und es geht noch weiter! Gruß Joachim Goetz

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