Bemalung eines Landsknechtes in 90 mm von Pegaso Models mit Acrylfarben

Am Beispiel der hervorragend modellierten Figur des Landsknechtes von Pegaso Models zeige ich Ihnen Schritt für Schritt, wie ich eine Zinnfigur ausschließlich mit Acrylfarben bemale. Die einzelnen Bauteile der 90 mm Figur wurden vorab versäubert und eventuelle Gussgrate mit feinem Sandpapier verschliffen. Ein wenig Sekundenkleber genügt, um die aus 10 Teilen bestehende Miniatur zu montieren. Nach einem sorgfältigen Bad in Seifenlauge, dass alle Trennmittel- und Fettreste entfernt, kann der Landsknecht mittels einem Haftgrund – aus der Sprühdose oder mit dem Pinsel aufgetragen – zur weiteren Bemalung vorbereitet werden.

Bemalung der Hautpartien
Für die Bemalung des Gesichtes, der Hände und des Beines wähle ich einen Hautton (Flesh basic) aus dem Hause Vallejo. Dieser Farbton sollte einen Mittelwert zwischen den dunkleren Bereichen und den Highlights auf den Hautpartien einnehmen. Alle Hautbereiche werden nun deckend mit dem Pinsel bemalt. 

Einer der entscheidenden Vorteile der Acrylmalerei ist die kurze Trocknungsphase. Schon nach wenigen Minuten kann man mit dem nächsten Schritt fortfahren.

Zur Farbmodellierung des Gesichtes trage ich eine Lasur aus Lederbraun auf. Die Lasur hat die Eigenschaft, sich in den Gesichtsfalten und Vertiefungen abzusetzen und so die ersten Schatten aufzuzeigen. Kurz vor dem Durchtrocknen nehme ich die überschüssige Farbe mit einem sauberen Flachpinsel wieder auf, so dass die erhabeneren Stellen frei bleiben. Diesen Vorgang wiederhole ich so oft, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Mein Landsknecht soll einen sonnengebräunten Teint erhalten.

Mit einer Mischung aus Schoko- und Lederbraun setzte ich in den Stirnfalten und an den Wangenknochen ein paar Farbtupfer, die ich umgehend mit einem sauberen Pinsel verblende. Dieses bedeutet, dass man an den Übergängen von hell zu dunkel die Farbe verwischt, um einen homogenen Verlauf zu erhalten. Hierbei ist ein schnelles Nass-in-Nass-Arbeiten von Nöten, da die Farbe schnell auftrocknet. Das wäre auch der erste Nachteil der Acrylfarbe – wobei man dieses Verfahren mit etwas Übung schnell erlernen kann. In gleicher Art und Weise werden nun die helleren Farbnuancen gesetzt. Ich mische hierfür in die Basis-Gesichtsfarbe etwas Weiß und einen Hauch Erdbraun. Mit einem Pinsel, den ich vorher mehrfach auf einem Küchenpapier abgestreift habe, setzte ich nun vorsichtig auf den oberen Wangenknochen, der Nase, dem Kinn und auf der Stirn einige helle Farbtupfer, die auf dem Gesicht „einmassiert“ werden. Ein leicht angefeuchteter Flachpinsel hilft hier, um die Übergänge zu kaschieren und lässt den Gesamteindruck fließender wirken.

Es macht Sinn, den Bart schon in diesem frühen Stadium zu bemalen, da er dem gesamten Gesicht einen markanten „Rahmen“ gibt und sich auf die Farberscheinung auswirkt. Ich entschied mich für eine rotblonde Haarpracht. Als Grundfarbe nehme ich ein dunkles Braun und arbeite die einzelnen Barthaare mit Sandbraun, einem Rotbraun und etwas Gelb mittels Trockenmalweise heraus. Als Nächstes kommen nun die sogenannten Highlights. An den Stellen, wo das Sonnenlicht Reflexe auf einem echten Gesicht werfen würde, soll auch auf dem Miniaturengesicht derselbe Effekt auftreten. Wer sich nicht sicher ist, wo er diese Highlights setzen soll, der nimmt sich einfach ein paar Porträtfotos oder eine Zeitschrift zur Hand und schaut, wo bei echten Fotos die hellen Stellen zu finden sind. In der Regel sind all jene Gesichtsbereiche betroffen, die hervorstehen. Also Nase, Kinn und Stirn. Bei meinem Landsknecht wirft der breitkrempige Lederhut einen großen Schatten über das Gesicht, sodass hierbei nur Nase und Kinn mit einem Highlight versehen werden.

Zum Abschluss fehlen jetzt nur noch die Augen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man Augen darstellt. Das richtige Bemalen von Augen gehört zu den schwierigen Aufgaben bei der Figurenbemalung. Wenn man bei 90 mm noch leicht Pupillen und Iris anlegen kann, so wird es bei den kleineren Maßstäben umso kniffliger. Ich gehe dazu folgendermaßen vor:

1) Zuerst fülle ich das gesamte Auge mit Schwarz.
2) Eine dünnflüssige Lösung Weiß wird auf das Auge gesetzt, sodass das Auge gefüllt wird und nur ein schmaler schwarzer Streifen an den Umrissen sichtbar bleibt. dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis das Auge eine milchig-weiße Trübung aufzeigt.
3) Nachdem die Farbe durchgetrocknet ist, setze ich noch links und rechts je einen Farbtupfer rötliches Orange und in die Mitte des Auges einen schwarzen Punkt.
4) In den schwarzen Punkt wird ein etwas kleinerer farbiger Punkt gesetzt
(je nach gewünschter Augenfarbe)
5) Mit einem etwas aufgehellten Farbton kann nun ein Lichtreflex gesetzt werden.
6) In die Mitte der Iris kommt noch ein kleiner schwarzer Punkt, der die Pupille darstellt.
7) Um den Augen Lebendigkeit einzuhauchen, setze ich zwei Lichtpunkte aus reinem Weiß.
8) Wer jetzt noch eine ruhige Hand hat, der kann auch Wimpern und Augenbrauen aufmalen.

 

Soviel zu Theorie! Um diese Vorgehensweise am Modell durchzuführen, benötigt es schon einiges an Übung und das richtige Handwerkszeug. Lassen Sie sich nicht entmutigen – es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Bemalung von Kleidung
Nachdem das Gesicht nun fertig ist, widme ich mich der Kleidung des Söldners. Von jeher haben mich die farbenfrohen Kostümierungen dieser Gefolgsleute fasziniert. Die Kombination aus bunten reichverzierten Stoffen, gegerbtem Leder, Straußenfedern und unterschiedlichen Metallen fordern einen Figurenmaler buchstäblich zu Höchstleistungen heraus. Beginnen wir mit dem Lederwams.

Ein Lederbraun gibt den Grundton an. Die schwarze Lasur gibt den Falten eine gewisse Tiefe und Lebendigkeit. Mit einer Mischung aus Hellbraun und Ziegelrot betone ich die erhabenen Stellen und arbeite so die Oberflächenstruktur heraus.

Verschiedene Durchgänge – sowohl lasurtechnisch wie auch in der trockenen Malweise – erzeugen ein gebrauchtes und verschlissenes Aussehen des Leders. Die Kanten betone ich mit einem hellen Erdbraun unter Zugabe von etwas Beige. Da die Gürtel aus einem anderen Leder hergestellt wurden, habe ich diese mit einem etwas rötlicheren Lederfarbton versehen, um so einen Kontrast zu bewirken.

Bemalung von Stoff
Je wohlhabender ein Landsknecht war, umso pompöser waren seine Kleidung und sein Schmuck. Ich stelle daher den Stoff der Bekleidung in leuchtenden Farben dar. 

Auf die im satten Rot, Blau und Gelb bemalten Stoffflächen kommen wiederrum Lasuren, die jeweils die Grundfarbe in abgedunkeltem Zustand beinhalten, um so den einzelnen Abschnitten Tiefe zu geben. Ebenso, wie ich beim Malen des Gesichtes die Übergänge von hell zu dunkel verblendet habe, arbeite ich auch an der Kleidung. So wird zum Beispiel an dem roten Puffärmel die tieferliegende Stofffalte mit einem Bordeauxrot gefüllt und an den aufsteigenden Kanten mit hellrot verblendet. 

Ein Farbgemisch aus Rot und Gelb – in der Trockenmalweise aufgebracht – betont die Kanten und vermittelt ein interessantes Lichtspiel. Besondere Aufmerksamkeit widme ich dem gelben Ärmel. Der kostbare Stoff soll mit einem aufwändigen Muster versehen werden. Das bedeutet zwar Mehrarbeit – gibt aber der Gesamterscheinung einen großartigen Touch! Nach der eben erwähnten Bemalung von hellen und dunkleren Stellen zeichne ich mit einem 00-Pinsel verschiedene Blumenmuster mit Ocker und Goldfarbe. 

Hierbei ist darauf zu achten, dass man auch die Unterseite des Ärmels mit diesen Ornamenten versieht. Ein paar größere Blumenornamente aus reinem Weiß bilden den Abschluss. Die gesamte Fläche habe ich dann nochmals mit einer dunkelgelben Lasur bestrichen und damit die frischaufgetragenen Farben abgeschwächt. Auch die Hose und das weiße Hemd werden in gleicher Art und Weise koloriert.

Bemalung des Lederhutes und des Federschmuckes
Der typische breitkrempige Lederhut wird in ähnlichem Farbton wie auch das Wams bemalt. Die gleichen Verfahren mit Lasuren und Trockenmaltechniken geben dem Hut ein gebrauchtes und von der Sonne ausgeblichenes Aussehen.

Die eleganten Straußenfedern (woher hatten Landsknechte wohl diese afrikanischen Vogelfedern?) sind bunt eingefärbt. Ich habe dieselben Farben, die ich auch schon bei der Kleidung eingesetzt habe verwendet, um ein harmonisches Bild zu erhalten. Die jeweiligen Federn werden komplett deckend mit dem Pinsel bemalt und nach dem Trocknen mit Lasur-Schwarz-Braun nachbehandelt. Die entsprechende Grundfarbe habe ich mit etwas Beige aufgehellt und die Federn damit trockengebürstet.

Waffen und Schmuck
An der Miniatur findet man zahlreiche metallische Gegenstände, wie Gürtelschnallen und Goldschmuck. Auch das martialisch wirkende Bidenhänder-Schwert mit der typischen welligen Schneide und der Katzbalger sind interessante Details und erstklassig umgesetzt.

Metalle grundiere ich grundsätzlich mit Mattschwarz. Im Programm von Vallejo und Andrea Color sind verschiedene Metallfarben zu finden, die man deckend und/oder lasierend auftragen kann. Die Goldkette wird mit Goldfarbe bemalt und abschließend mit etwas Goldgelb trockengebürstet, um die einzelnen Kettenglieder zu betonen. Ein Auftrag mit glänzendem Klarlack unterstreicht die Leuchtkraft des Goldes und gibt der Kette den nötigen Glanz. Das Schwert wurde ebenfalls mattschwarz grundiert und erhält nun eine Lasur mit Natural Steel von Vallejo. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis sich der gewünschte Effekt einstellt. Ein Trockenbürsten mit reinem Silber erweckt ein täuschend echtes Metallfirnes. Ein paar rostbraune Flecken simulieren getrocknetes Blut. Den ledernen Knauf des Griffstückes habe ich in der schon erwähnten Malweise gestaltet.

Sockelgestaltung
Im Packungsumfang befindet sich eine kleine Base, die der Figur die nötige Standfläche bietet. Eine Grundierung in Steingrau, ein Washing mit Lasurschwarz und ein Herausarbeiten der Strukturen mit Hellgrau – und schon kann die Figur auf einem passenden Sockel verklebt werden und ihren Platz in der Vitrine finden. Um dem Betrachter noch ein paar Blickfänge zu bieten, verteile ich auf der Steinplatte ein paar lasergeschnitten Buchenblätter aus dem Programm von Plus Model. Diese sind zwar im Maßstab 1:35 – fallen aber etwas größer aus und sind so sicherlich auch für eine 90 mm Figur geeignet. Eine farbliche Nachbehandlung mit Gelb- und Rottönen erwecken den Eindruck von Herbstlaub.

Euer Joachim Goetz

Veröffentlicht in Werkbank.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.