Schloß Clervaux in Luxemburg

Den Modellbauern unter uns ist dieses Schloß sicher ein Begriff! Claude Joachim hat in jahrelanger Detailarbeit ein hervorragendes Diorama dieses Bauwerkes geschaffen, dass auf jeder Modellbau-Ausstellung Begeisterungsstürme ausgelöst hat! Nun steht es in einem Turmzimmer auf dem Originalgelände in Clerf – Grund genug für eine Reise in das schöne Luxemburg.

Bei strahlendem Sonnenschein, einem vollen Tank und reichlich Proviant ging es morgens um 6 Uhr los. Bis auf die üblichen Verkehrsbehinderungen auf dem Kölner-Ring, war die Fahrt völlig problemlos und entspannt. Gute drei Stunden benötigt man von Iserlohn, um Luxemburg zu erreichen. Kurz hinter der Grenze gab´s dann erst einmal ein ausgiebiges Frühstück.

Das Schloß liegt auf einer kleine Hügelkette und trohnt über der Stadt Clerf. Über ein Treppensystem gelangt man vom Dorfkern problemlos in die Schloßanlage. Der gesamte Komplex ist in einem erstklassigen Zustand und wird täglich von einer mehrköpfigen Crew gesäubert und gepflegt. Schon am Eingang spürt man das geschichtsträchtige Flair, dass dieses Gebäude ausstrahlt. Während der Ardennen-Offensive im Jahr 1944 wurden hier erbitterte Kämpfe ausgetragen und das Schloß zu großen Teilen zerstört. Ein amerikansicher Sherman- Panzer steht als stummer Zeitzeuge vor den Toren der Burg. Ein großer Teil des Schlosses ist verschiedenen
Ausstellungen gewidmet. Im Eintrittspreis von 5.- Euro ist sowohl das Ardennen-Museum, als auch die „Burgen und Schlösser Luxemburgs im Modell-Ausstellung“ enthalten.

Musée de la Bataille des Ardennes.
Die Ardennen und auch Luxemburg sind reich bestückt mit Museen, die sich der Ardennenschlacht während des Zweiten Weltkrieges widmen. Ein kleiner, beschaulicher Teil des Schlosses zeigt allerlei Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Uniformen und Relikte aus dieser Zeit. Während im unteren Bereich die deutsche Wehrmacht ausgestellt wird, so beinhaltet der Turm Ausstellungsstücke der amerikanischen Befreier. Mir persönlich sind es zuviele Schaustücke auf zu engem Raum! Es erschlägt einen ein bisschen! Wenn man sich aber die Zeit und Ruhe nimmt, dann kann man hier und da interessante Dinge entdecken, die man so vielleicht noch nicht gesehen hat. Insbesondere die vielen Bekanntmachungen und Zeitungsanzeigen geben einen Eindruck wieder, was in den letzten Tagen des Krieges hier in dieser Gegend alles passiert ist.

Zu sehen sind zahlreiche Uniformen der Alliierten und der Wehrmacht.

 

Zu jedem Exponat gibt es Hintergrundinformationen.

 

Auch Schußwaffen jeglicher Art sind zu betrachten.

 

 

Hier sieht man die gängigsten Waffen der deutschen Wehrmacht.

 

Die Burgen und Schlösser-Ausstellung ist nicht nur für Modellbauer eine interessante Gelegenheit etwas mehr über die vielen Ruinen und Burganlagen Luxemburgs zu erfahren. Jede namhafte Burg ist hier als liebevoll gemachtes Modell im Maßstab 1:100 dargestellt. Die Miniaturen sind einfach, aber dennoch sehr detailiert gestaltet und geben einen guten Einblick in die unterschiedlichen Baustile der Zeit, in der die Originale erbaut wurden. Teilweise sind sogar die umliegenden Ortschaften um die Burgen mit gestaltet worden. Schautafeln und Videoleinwände geben zudem noch weiteres Info- und Bildmaterial zu jeder einzelnen Anlage.

 

Die Burgenmodelle sind liebevoll gestaltet.

 

In einem Turmzimmer, – ganz am Ende der Ausstellung – ist der Grund unserer Reise dann zu finden! Das Modell des Schlosses von Claude Joachim. Es ist einfach beeindruckend! Nicht nur die Ausmaße, die mehr als 3×3 Meter umfassen, sondern auch die vielen kleinen Details, machen dieses Diorama so einzigartig! Claude hat hier ein Meisterwerk geschaffen, dass seines gleichen sucht! Ich habe keine Ahnung, wieviele Stunden er an diesem Diorama gesessen hat, aber es müssen Hunderte gewesen sein! Alleine der Aufwand für die Bemalung der vielen Figuren und Fahrzeuge hat sicherlich Wochen in Anspruch genommen. Schaut man sich die Turm- und Gebäudedächer an, so ist zu erkennen, dass jede Dachschindel einzeln aufgeklebt wurde – ein Job für jemanden, der Vater und Mutter erschlagen hat und keine Freunde findet! Neben der Schlossanlage findet man noch einige Häuser und Straßen, die sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses befunden haben. Alles natürlich nach Originalfotos und alten Stadtplänen arrangiert. Das Schaustück zeigt das Schloß nach der Befreung durch die amerikanischen Truppen. Das normale Leben kehrt so langsam in die Stadt Clervaux zurück und man beginnt mit den Aufräumungsarbeiten. Das die Kämpfe um Clervaux hart waren, zeigen die zahlreichen Beschädigungen am Schloß, die Claude effektvoll in Szene gesetzt hat. Trümmerschutt, geborstenes Holz und zerstörte Möbel dürfen dabei natürlich nicht fehlen!

Es gibt so vieles zu entdecken und zu sehen, so dass man sich hier locker eine Stunde aufhalten kann! Modellbau in Perfektion! Wer sich näher mit diesem Kunstwerk befassen will, der sollte sich die Bücher von Claude Joachim zulegen, die sich bis ins kleinste Detail mit dem Bau des Dioramas auseinandersetzen. Das erste Buch zeigt den Bau des Schlosses und das zweite die Konstruktion der umliegende Periferie. Zudem werden die einzelnen Bauabschnitte und die Umbauten der Figuren und Fahrzeuge beschrieben.

Ein Must-Have für den ambitionierten Modellbauer! Man findet hier unglaublich viele Anregungen für eigene Projekte und dazu noch Tipps und Tricks vom Profi!

Das Diorama Schloß Clerveaux in seiner ganzen Pracht.

 

Detailansichten des Umfeldes.

 

Auch die Zerstörungen sind effektvoll dargestellt.

 

Die Ardennen sind sowohl landschaftlich, wie auch geschichtlich äußerst interessant. Was liegt da näher, als eine ausgiebige Cabrio-Tour durch´s Ländle zu starten. Mit der Straßenkarte war schnell eine grobe Route festgelegt. Nach einer kurzen Stippvisite im Ort Clerf ging es dann weiter nach St. Vith. Von Clerf aus schlängelt sich die Landstraße über tiefe Täler und über Höhenzüge quer durch verschiedene Vegetationsstufen. Von dichten Wäldern bis hin zu weitläufigen Feldern und wunderschönen Alleen.

Man sollte sich viel Zeit lassen, die schöne Gegend ausgiebig zu geniessen. Und wenn man schon einmal hier ist, dann dürfen die landestypischen Pommes natürlich nicht vergessen werden!

Joachim Goetz

 

https://www.zinnfigur.com/Buecher-Medien/Buecher/Modellbau/Dioramen/Joachim-C-Capturing-Clervaux-The-Final-Hour.html

 

Posted in Museums-Tipp.

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