“Unternehmen Zitadelle” – eine Buchbesprechung von Frithjof Greiner

Wieder erscheint ein großartiger Bildband (wenn auch in englischer Sprache) über ein Ereignis in der Militärgeschichte, das über Jahrzehnte bereits immer wieder diskutiert, von manchen Historikern als  “Schwanengesang der deutschen Panzertruppe” dem unkundigen Fernsehpublikum präsentiert und vor allen Dingen natürlich verfilmt wurde. Ich denke daher in erster Linie an die fünfteilige sowjetische Verfilmung von 1970 “Befreiung”, in der die “Schlacht im Kursker Bogen” den Filmtitel “Der Feuerbogen” trägt. Nach sowjetischer Art natürlich bis zum Exzess heroisiert, indem auf dem Schlachtfeld dutzendweise zerstörte “Tiger-Panzer” gezeigt werden und die sowjetischen T-34 mit 85mm – Kanone (die es 1943 für den T-34 noch gar nicht gab) nach Wildwest-Art regelrecht über die deutschen Panzer flogen. Luftaufnahmen von gigantischen filmischen Panzeransammlungen, flüchtende deutsche Verbände, sowie heldenhaft schreiende sowjetische Kommandeure und an jeder Ecke brennende deutsche Fahrzeuge runden dieses Propaganda-Epos ab. Doch mittlerweile, nach 78 Jahren, haben sich zahlreiche “wirkliche” Historiker, darunter auch russische, wie z.B. Prof. Zamulin diesem Thema erneut angenommen. Auf deutscher Seite ist es unter anderem Dr. Roman Töppel, der eine hervorragende Analyse dieses Ereignisses verfaßt hat. Den Berliner Zinnfiguren und ihrem großartigen Sortiment an Fachliteratur ist es zu verdanken, dass wir heute auf die neuesten Publikationen zurückgreifen können, die dieses Geschehen neu beleuchten. Mittlerweile werden Fragen aufgeworfen, wie es z.B. überhaupt zu dieser Offensive kam und wie die angeblich “größte Panzerschlacht aller Zeiten” bei Prochorowka wirklich stattgefunden hat?

Bevor ich nun zu der eigentlichen Buchbesprechung komme, möchte ich noch ein Buch empfehlen, das ebenfalls bei den “Berliner Zinnfiguren” zu finden ist: Es handelt sich um den Bildband Die Offensive gegen Kursk. “Das II.SS-Panzerkorps als Stoßkeil im Großkampf” von Generalmajor der Waffen-SS Sylvester Stadler und wird aus der Sicht des Frontsoldaten beschrieben. Ganz anders als in manchen Darstellungen wird hier von einem “gewaltigen Geschehen” gesprochen. Da fliegen Panzertürme durch die Luft, es ist ein infernalischer Lärm und die Stukas stürzen sich auf die sowjetischen Stellungen. Sylvester Stadler schreibt weiter: “Unser Regiment mit unseren Panzer IV entfaltet sich nun scheppernd und klirrend. Links von uns die Kameraden von “Großdeutschland ” mit ihren Sturmgeschützen und rechts von Ribbentrobs Panzern unsere Panzergrenadiere von der “LAH” geduckt in ihren Schützenpanzerwagen.

Wenden wir uns nun dem Buch zu!

Es trägt den Titel “Operation Citadel”, ist in englischer Sprache und trotzdem mit solidem Schulenglisch problemlos zu lesen. Darüber hinaus gibt es ja Übersetzungsprogramme, falls doch spezielle Fachbegriffe auftauchen. Verfaßt wurde das Buch von Jean Restayn, der ja auch als Modellbauer den Meisten bekannt sein dürfte. Erschienen ist der Band vor Kurzem im J.J. Fedorowicz Verlag, Polen, ist brandneu, hat 495 Seiten und daher ein entsprechendes Gewicht.

Schon allein der Einband ist von der Gestaltung her ein Kunstwerk: Eine hervorragende Farbzeichnung, oder sagen wir doch lieber ein “Gemälde eines Panthers” der Ausf. D mit brennendem T-34. Der Band behandelt den Südabschnitt vom “Unternehmen Zitadelle” mit den Panzerdivisionen der Waffen-SS “Leibstandarte” ,”Das Reich” und “Totenkopf”. Im weiteren Verlauf stoßen wir dann noch auf die Panzergrenadier-Division “Großdeutschland”. Übersichtlich am Anfang das Inhaltsverzeichnis. Es folgen im Vorwort die beteiligten deutschen und russischen, zu damaliger Zeit die sowjetischen, Streitkräfte sowie die eingesetzten Waffen wie Panzer, Halbketten, Artillerie und Flugzeuge.

  

Weiterhin folgen Tabellen über die Anzahl der vorhandenen Fahrzeuge sowie Soldaten beider Streitkräfte. Ebenso kommen Soldaten verschiedener Einheiten zu Wort, die die Einsätze und Kampfhandlungen dramatisch schildern. Besondere Beachtung finden natürlich die Kämpfe bei Prochorowka, die so manchen Leser in Erstaunen setzen werden, handelt es sich dabei in KEINSTER Weise um den vielzitierten “Schwanengesang der deutschen Panzerwaffe”, sondern um ein fürchterliches Desaster für die russischen Panzerrudel. Die Tabellen mit den Verlustzahlen beider Seiten befinden sich am Schluß des Bandes. Doch soll sich der Leser selbst ein Bild machen. Apropos Bild: Der Band ist gespickt mit großartigen Fotos und gewährt sogar Einblicke in die Schützenpanzerwagen während der Angriffe. Der Betrachter hat ein reiches Betätigungsfeld. Als Höhepunkt dieses großartigen Bandes dürfen am Schluß die Divisionsabzeichen und fabelhaften Farbprofile der Fahrzeuge, Panzer, Artillerie etc. angesehen werden. Auch wenn es für Einige mit der englischen Sprache etwas mühsam sein sollte, so entschädigen doch die tollen Fotos.

Nebenbei bemerkt gibt es bereits den Zweiten Band und dieser behandelt den Nordabschnitt.

Fazit:

Natürlich kann man nicht jedes einzelne Foto besprechen, daher sei gesagt, dass sich jeder Zitadelle-Interessierte diesen Band zulegen sollte. Er ist zwar nicht gerade preiswert, stellt aber eine sehr gute Investition dar. Auch die Modellbauer kommen durch die Fülle der Fotos auf ihre Kosten und werden hundertprozentig inspiriert.

Zum Schluß noch eine Anmerkung :

Nach 78 Jahren erscheinen nun von verschiedener Seite sehr kritische Analysen von “Unternehmen Zitadelle”. Vieles, was bisher niedergeschrieben oder gar verfilmt wurde, ist schlichtweg falsch und, man möge mir verzeihen, an den Haaren herbeigezogen. Überdimensionale heroische Denkmäler, die im heutigen Rußland an dieses gewaltige Geschehen erinnern, werden den wahren Vorgängen nicht gerecht. Prochorowka war alles andere als ein heldenhaftes Gefecht, in dem weder “Tiger” noch “Panther” eingesetzt waren, sondern von deutscher Seite Panzer III und Panzer IV. Aber auf all das wird in diesem ersten Band hingewiesen. Dank den “Berliner Zinnfiguren ” und ihrem großartigen Fachbuchbereich wird jedes militärische Ereignis von damals neu beleuchtet werden.

Jedem Geschichtsinteressierten sei also dieser Band wärmstens empfohlen und ich hoffe, dass jeder seine bisherigen Kenntnisse über diese große Schlacht neu “auffrischen” wird.

Euch eine spannende, neue Geschichtserkenntnis!

Frithjof Greiner

https://www.zinnfigur.com/Buecher-Medien/Buecher/1933-1945-2-WK/Allgemein/Restayn-Jean-Operation-Citadel-Band-1-The-South.html

Veröffentlicht in Andruck.

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