Eldorado – auf der Suche nach der goldenen Stadt

Auf einer Urlaubsreise in Mexiko habe ich auch die alten Tempelstätten der Maya besucht. Der Besucher heute findet dort große Plätze und ordentlich gestutzte Rasenflächen vor, auf den man Golf spielen könnte. Als aber die spanischen Eroberer diese geheimnisvollen Tempelanlagen das erste Mal entdeckten, waren alle Gebäude von dichten Dschungelpflanzen überwuchert. Ein kaum zu durchdringendes, dichtes Netz von Lianen und Schlingpflanzen, dass obendrein noch von Schlangen, Herrscharren von Insekten und gefährlichen Raubtieren bevölkert war … und genau diesen Eindruck soll mein Diorama „Eldorado“ dem Betrachter vermitteln.

Die Tempelruine
Für die Darstellung der Tempelruine griff ich auf Abgüsse originaler Urlaubsmitbringsel zurück. Die Vorderseite des Tempels ist zum Beispiel die Replik eines kreisförmigen Maya-Kalenders und die beiden Steinwächter Gipsabdrücke von Tonfiguren. Die Rückwand der Ruine stammt von Tomker-Models und lag schon seit Jahren ungenutzt im Regal. Hier beweist sich wieder, dass ein Modellbauer nichts wegwirft, da man es ja irgendwann vielleicht mal gebrauchen kann! Als Bodenplatte dienten ein paar Gipsplatten, in die dann das Mauerwerk eingeritzt wurde. Die Grundfläche des Dioramas besteht aus seiner Holzrahmung, die man in verschiedenen Größen und Formen im gut sortierten Künstlerbedarf für wenig Geld erstehen kann. Nachdem ich eine Grundaufbau aus Styropor eingeklebt hatte, platzierte ich die Tempelanlage und modellierte das Gelände mit einer Mischung aus Sägemehl und Gips auf. Diese Misch-Variante hat den Vorteil, dass die Masse länger formbar bleibt und vom Gewicht her stark reduziert wird. Die Grundbemalung erfolgte mittels Airbrush in verschiedenen Sand- und Grautönen. Ein übliches washing und einige Trockenmaldurchgänge gaben dem Steinoberflächen ihr realistisches Aussehen.

Der Urwald

Um die Vegetation so „echt“ wie möglich zu gestalten, studierte ich vorab einige Fotos von Dschungel-Pflanzen. Es gibt einiges auf dem Markt, dass sich hervorragend zur Gestaltung von Urwäldern eignet. Besonders sind hier lasergeschnittene Papierpflanzen zu erwähnen. Allerdings haben diese natürlich auch ihren Preis.

Da das Diorama mit der Größe von 30 x 30 cm schon recht viel Material benötigen würde, habe ich mich mal wieder in der Natur und im Gewürzschrank umgesehen. Zudem fand ich im ortsansässigen Zoofachgeschäft einiges Brauchbares in der künstlichen Aquarium-Floristik. Der Nachteil bei Pflanzen aus dem Garten ist, dass sie, wenn sie trocknen, welk und schrumpelig werden. Um dieses zu vermeiden, habe ich alle Gewächse vor dem Einbau einige Tage in trockenes Blumensalz gelegt und später mit Klarlack versiegelt. Die Bäume sind in der gleichen Art und Weise entstanden, wie sie im Workshop Baum-Bau beschrieben wurde. Das Blattwerk ist in diesem Fall getrocknete und gehäckselte Petersilie. Die Lianen, die sich von Ast zu Ast hangeln, sind aus gerollter Modelliermasse (Magic Sculp) gefertigt und nach dem Aushärten mit Acrylfarben bemalt. Verschiedene Streumaterialien und Grasbüschel runden das Gesamtbild farbenfroh ab.

Der Sumpf

Was wäre ein Dschungel-Diorama ohne moderigen Sumpf? Im vorderen Bereich der Tempelanlage sollte also eine brackige, gelblich-grüne Wasserfläche entstehen. Im Künstlerbedarf-Laden fand ich ein bernsteinfarbiges Gießharz, dass genau meinen Vorstellungen entsprach. Der Untergrund des Sumpfes wurde vorab mit allerlei „alten“ Ästen und Baumstümpfen, kleinen Steinchen und Streugrass dekoriert und farblich auf „gammelig“ getrimmt! Das Kunstharz sollte unbedingt draußen oder in einem gutgelüfteten Raum verarbeitet werden, da es ziemlich übel riecht. Dieser „Gestank“ verfliegt aber nach wenigen Tagen und die Masse härtet klebefrei aus. Das „Wasser“ sollte, gerade wenn es eine dicke Schicht ergibt, in mehreren dünnen Schichten gegossen werden, da es sonst reißen kann.

Figuren und Tiere

Nun sollte das Diorama mit Leben gefüllt werden. Für die spanischen Eroberer hatte ich die Figuren von EMI und El Viejo Dragon in Betracht gezogen. Als Stellvertreter hat schon Mal einer aus der Figurengruppe eines älteren EVD-Sets seinen Platz gefunden. Schwieriger war es, passende Kleintiere zu finden. Hier gab es aber einen guten Tipp von einem Modellbaukollegen, der mir freundlicherweise einige Krabbeltiere aus dem Set von Busch überließ. Diese Tiere sind zwar für den HO-Maßstab gedacht, können aber ohne weiteres auch für den 35er Bereich eingesetzt werden.

Fazit

Ich hoffe, mit dem Bericht über den Bau meines Dschungeldioramas dem einen oder anderen ein paar nützliche Tipps und Anregungen geben zu können und freue ich mich auf Nachahmer.

 

Joachim Goetz

Veröffentlicht in Werkbank.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.